Was alte Körper wissen.

Über den ästhetischen Eigenwert des Alters im Tanz

Vortrag beim Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung (gtf),
15. Oktober 2026

Der alte Körper ist nicht das Ende der Veränderung – er ist ihre dichteste Verkörperung.
Jeder Wendepunkt eingeschrieben, sichtbar, lesbar.
Das Ensemble MyWays&Guests: 13 Tänzer:innen zwischen 63 und 82 Jahren, viele seit fast 20 Jahren zusammen. Was dabei entsteht, ist nicht nur Kunst – es ist Wissen, das keine andere Methode erzeugt.

Drei Erkenntnisse aus der Praxis:

  • Zeitlichkeit als choreografisches Material – nicht, weil alte Körper automatisch tief oder berührend sind, sondern weil eine ernsthafte choreografische Auseinandersetzung sichtbar macht, was diese Tänzer:innen in ihrer Besonderheit tragen: eingeschriebene Lebenserfahrung als ästhetische Qualität.
  • Kollektive Kreativität als Umwidmung des künstlerischen Egos – kein Geniekult, keine Solokarriere im Kollektiv, sondern Reibung, Respekt und die Bereitschaft, sich gegenseitig weiter zu entwickeln.
  • Das Committment Dilemma – ohne bedingungslose Bereitschaft entsteht diese Arbeit nicht, aber bedingungslose Hingabe hat einen Preis: Selbstausbeutung ist das strukturelle Risiko der freien Szene, hier besonders sichtbar.

Tanz mit Älteren gilt als Wohlfahrtsprojekt. Das ist das Ergebnis einer Machtfrage. MyWays&Guests ist ein Gegenmodell: eine Praxis, die ästhetische Legitimität nicht beantragt, sondern herstellt. Der Vortrag verbindet theoretischen Diskurs mit Filmausschnitten: einer Kurz-Dokumentation über die Bühnenarbeit von MyWays&Guests sowie Tanzprojekten mit älteren Tänzer:innen in unterschiedlichen Besetzungen und Räumen. 


„Inspiring Ageing Bodies“

 

Eine Fortbildung für Kolleg:innen zum Tanz mit älteren Tänzer:innen ist in Vorbereitung.
Wer informiert werden möchte, schreibt mir gerne mit dem Betreff ‚Inspiring Ageing Bodies.“